Von einem Kabelanschluss, den es niemals gab

Logo der Unitymedia NRW GmbHSo ein nicht vorhandener Anschluss ist nicht der Rede wert? Das habe ich auch mal gedacht, bis mir die Unitymedia NRW GmbH das Gegenteil bewiesen hat.

Als ich nämlich im Sommer 2006 einen Kabelanschluss bestellte, wurde zwar nicht geliefert, aber zahlen sollte ich trotzdem.

tl;dr Wie ich auch nach fast 11 Jahren für einen nicht vorhandenen Kabelanschluss zur Kasse gebeten wurde.

Vor etwa 11 Jahren wohnte ich in meiner Geburtsstadt: Im beschaulichen Hilden. In meiner Dachgeschosswohnung fühlte ich mich etwa 5 Jahre lang pudelwohl und war über einen DSL-Anschluss auch vergleichsweise flott mit dem Internet verbunden. Das Fernsehsignal hätte seinerzeit allerdings etwas mehr bieten können, denn das Haus wurde über eine großen Dachantenne lediglich mit DVB-T versorgt. Da sich die Adresse in unmittelbarer Nähe der S-Bahn-Linie befand, wurde das TV-Programm regelmäßig mit unschönen Artefakten versehen. Ein Abend ohne störende Klötze im Bild war eher selten und so machte sich Ernüchterung breit.

Als mir aber regelmäßig Werbebotschaften des großen Kabelanbieters in NRW in den Briefkasten flatterten, konnte ich dann irgendwann nicht mehr widerstehen und wollte mich auf der Webseite des Unternehmens schlau machen, was denn so ein Anschluss kosten würde. Zu meiner Überraschung teilte man mir hier mit, dass das gewünschte Kabel bereits verfügbar sei und ich nur noch auf “bestellen” klicken möge: Schon käme ich in den Genuss zahlreicher Hochglanz-TV-Programme.

Na Wahnsinn: Wieso hat mir das niemand gesagt?

Ich bestellte also zunächst ein TV-Produkt, da der DSL-Vertrag noch ein Jahr zu laufen hatte. Voller Vorfreude wartete ich den Schalttermin ab und zählte die Tage rückwärts. Das war spannend!

Als der Tag X dann endlich gekommen war, machte sich zunächst Ernüchterung breit: Der Fernseher wollte kein Kabelsignal erkennen können und weigerte sich beharrlich, den integrierten Kabeltuner zu aktivieren. Ich vermutete zunächst, dass das Vorhaben an meiner eigenen Dummheit scheiterte und probierte alle Antennendosen aus, die ich finden konnte. Ohne Erfolg. Die Glotze präsentierte Schnee und so langsam wich die Vorfreude einem Mix aus Verzweiflung und Verwunderung.

Ich fragte zunächst im Haus, wo ich bitteschön das Antennenkabel anschliessen müsse, wenn ich den Kabelanschluss nutzen wollte und erntete neben verdutzten und fragenden Gesichtern nur die Information, dass es gar keinen Kabelanschluss gibt. “Im Nachbarshaus sehr wohl, aber hier” – so lautete die Auskunft – “leider nicht”.

Umgehend setzte ich mich mit der telefonischen Hotline von Unitymedia in Verbindung, um die Sachlage zu klären und in Erfahrung zu bringen, wie man jetzt weiter verfahren kann: “Zunächst einmal sollten Sie den Vertrag widerrufen, damit Ihnen keine Kosten entstehen. Es handelt sich offenbar um einen Fehler in unserer Datenbank: Das tut uns leid.” hiess es und so tat ich, wie mir empfohlen wurde: Ich setzte eine E-Mail auf und machte von meinem Widerrufsrecht Gebrauch.

Ende der Geschichte.

Nein: So einfach war es nicht.
Leider, möchte ich sagen, denn was als Nächstes geschah, sollte an Unfassbarkeit kaum noch zu toppen sein.

Es gab nämlich eine erste Rechnung der Unitymedia, die ich selbstverständlich nicht bezahlen wollte: Für was auch? Wieder setzte ich mich mit der Hotline in Verbindung, schilderte den Sachverhalt erneut und ging davon aus, dass bald schon eine schriftliche Reaktion auf meinen Widerruf folgen würde.

Aber nein.
Es folgten Rechnung 2 und 3 und als ich die Lastschriften für den nicht vorhandenen Kabelanschluss platzen liess, gesellte sich auch eine Zahlungserinnerung dazu. Sämtliche Versuche, die Situation telefonisch zu erklären, wurden weiterhin gekonnt ignoriert: Ich solle mich auf dem Schriftwege melden, was ich dann erneut tat.

Als dann endlich Ruhe herrschte und ich keinerlei Rechnung mehr erhielt, war ich guter Dinge, dass die Sache erledigt sei. Ich konnte wieder ruhig schlafen und “genoss” das grandiose Fernsehprogramm via DVB-T.

Es vergingen Monate und Jahre und so kam es völlig unerwartet, als mich im Sommer 2009 eine Technikerin der Unitymedia besuchte. Da ich mich ja “beharrlich weigerte”, meine Rechnungen für den Kabelanschluss zu bezahlen, müsse sie den Anschluss nun sperren. Auf meine Erklärung, dass man nicht sperren könne, was es nicht gibt, ging sie gar nicht weiter ein. “Das haben schon viele Leute versucht – ich finde das Kabel schon” gab sie sich selbstsicher und so gingen wir gemeinsam in den Keller.

Dieses ominöse Kabel sollte sich wohl irgendwo dort versteckt halten. Ein paar verdutzte Blicke später musste sie erkennen, dass dieser Sperrauftrag keiner dieser einfachen Aufträge werden würde. Es war ihr anzumerken, dass das Kabel besser versteckt war, als sie es anfangs vermutete. Während ich mich noch diebisch darüber freute, wählte die kompetente Technikerin hektisch eine Nummer auf ihrem Telefon, verschwand mit dem Gespräch und kehrte einige Augenblicke später voller Tatendrang wieder, doch es war einfach nichts zu machen: Nichts war da, was man hätte sperren können.

Nach einem kurzen Gespräch, ob das jetzt endlich und wirklich Alles gewesen sein würde, bat ich sie noch, ein für allemal im System hinterlegen zu lassen, dass die Anschrift nicht mit Kabel ausgestattet ist: Wer weiss schliesslich, wer noch alles darauf hereinfallen würde und am Ende für etwas zur Kasse gebeten wird, was es dort nicht gibt…?!

Es vergingen wieder einige Monate, bis ich im Dezember 2009 erneut Post bekam: Diesmal vom Amtsgericht mit einem Mahnbescheid. Man meinte es offensichtlich sehr ernst. Diesem Schrieb widersprach ich selbstverständlich umgehend und schilderte auch in meinem Widerspruch erneut die Sachlage. Die leise Hoffnung, dass es diesmal ausreichen würde, war noch nicht ganz gestorben. Und falls nicht, hatte ich mich bereits darauf eingestellt, dass es unweigerlich zum Prozess kommen würde, da meine bisherigen Erklärungsversuche ja auch allesamt ignoriert worden waren.

Erneut versuchte ich, die Unitymedia im Guten von der Situation zu überzeugen und setzte noch so ein Schreiben auf, das ich auch per Fax in die Zentrale schickte. Als “Antwort” erhielt ich dann kurz vor Weihnachten Post von einer Anwaltskanzlei, die offenbar mittlerweile für das Eintreiben der Forderung zuständig war. Frechheit!

Da ich das Ganze aber keinesfalls unkommentiert hinnehmen wollte, antwortete ich noch am Heiligabend auch den Geldeintreibern mit einer ausführlichen Stellungnahme und verbrachte besinnliche Festtage.

Auch auf dieses Durcheinander erhielt ich keinerlei Reaktion.
Die Anwälte schwiegen.
Unitymedia schwieg.
Ich lehnte mich zurück und hakte die Sache als “nice try” ab.

Jetzt aber… Ende?

Nein.
Natürlich nicht.
Der Startschuss für diesen Blogpost fiel am Freitag, den 13. Januar 2017.

Etwas mehr als 7 Jahre waren also vergangen, als mich erneut ein Inkasso-Unternehmen kontaktierte: Die Angelegenheit würde ja bereits eine Weile ruhen, aber erledigt sei sie noch lange nicht…

Die innere Stimme übte sich in verbalen Entgleisungen allererster Güte und ich tat mich wirklich schwer, das Ganze für mich zu behalten, denn – hey – mal ganz im Ernst: Was zum F*** muss ich da lesen? Die Angelegenheit hat “eine Weile geruht”?

Ich rief erneut die Hotline an, die mir – mach Sachen – leider nicht weiterhelfen konnte: Meine Daten seien im System nicht auffindbar und ich solle mich auf dem Schriftweg melden: Ja, wie oft denn noch? 

Meine Frage, ob an der Adresse denn mittlerweile ein Kabel liegen würde, beantwortete die Dame mit den Worten “Wir sind da vermarktbar… also wir können das legen… nein… wir sind da… ja… wir sind da!

Präzise klingt anders.

Liebe Unitymedia NRW GmbH, was war denn so schwer daran, den Fehler in der Datenbank zu beheben und die Adresse als “nicht versorgt” zu hinterlegen? Wie kann es sein, dass diese Sache nie abschliessend bearbeitet wurde und es niemand auch nur für nötig hielt – gerade nach dem erfolglosen Sperr-Manöver Ihrer Technikerin – mal nachzuschauen, ob der “Kerl ohne Kabelanschluss, der gerne Kunde geworden wäre” nicht vielleicht doch die Wahrheit sagte?

Und selbst, wenn man sich als Quasi-Monopolist im Kabelnetz zu fein dafür ist, sich für den entstandenen Ärger zu entschuldigen, war es IMHO absolut unnötig, diese völlig inakzeptable Forderung erneut abzutreten, um wieder einen Versuch zu starten, nie erbrachte Leistungen zu monetarisieren!

Ich hoffe einfach, dass der Spaß jetzt endlich ein Ende hat, denn lachen kann und wollte ich darüber schon lange nicht mehr.

Last but not least möchte ich an dieser Stelle klarstellen, dass ich eigentlich nichts gegen Unitymedia habe. Ganz im Gegenteil hat das Unternehmen mittlerweile einen wirklich grandiosen, technischen Kundensupport, der vorbildlich – auch über Social Media – direkt mit dem Kunden kommuniziert: Das ist wirklich hervorragende Arbeit.

Eben dieses Twitter-Team der Unitymedia hat mir nun – fast 11 Jahre, nachdem ich einen Kabelanschluss bestellen wollte – mitgeteilt, dass mein Widerruf niemals eingetroffen sein soll: Weder per E-Mail, noch per Post? Im Ernst? Man könne zwar noch Informationen zu meinen Anrufen beim Support und auch mein Fax aus 2009 finden, aber da sei der nicht bezahlte Vertrag ja schliesslich längstens seitens Unitymedia gekündigt und die Angelegenheit an ein Inkasso-Büro abgetreten worden. Dazu, dass man aber keines meiner Schreiben jemals beantwortet hat und zur Existenz des fraglichen Anschlusses, gibt es – nach wie vor – keinerlei Information und/oder Stellungnahme: Schade!

Was man mit der Vermarktung nicht vorhandener Kabelanschlüsse erreichen möchte, wird mir somit wohl immer ein Rätsel bleiben. 

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