RP-Online bietet jetzt auch zwingt Euch jetzt ein Abo an auf

Da staunte ich nicht schlecht, als mein Smartphone mich beim Lesen meiner Online-Lektüre heute mit RP-Online mit Zwangsaboeinem “Knaller-Angebot” von LIDL überraschte: 2 Wochen kostenlos die Nachrichtenseite lesen, die ich eigentlich schon immer lese. Logisch auch: Die Rheinische Post hatte eigentlich – okay zugegeben: das ist mittlerweile Jahre her – den Ruf eines Qualitäts-Blattes inne. Nun also habe ich 20 von 20 freien Artikeln im Monat gelesen: Kann das denn die Möglichkeit sein?

tl;dr Die RP-Online erweitert Ihr digitales Angebot um eine Zwangs-Paywall für alle, die öfters mal was lesen wollen: Schade. 

Anders als andere Blätter, die ihre Inhalte werbefinanziert im Internet zur Verfügung stellen, setzt die RP ab sofort auf ein eigensinniges Zwangs-Abo-Modell, das man zudem noch relativ einfach aushebeln kann: Mit Incognito-Surfmodus und Löschen aller Cookies für die URL kann man durchaus mehr lesen.

Mir stellt sich nun aber nicht mehr die Frage, wie ich das Abo umgehe und so die Paywall ignoriere, sondern ob ich tatsächlich bereit bin, diesen Quatsch durch meinen Auftritt in den Statistiken von RP-Online zu unterstützen? Nein. Selbstverständlich nicht.

Schon gar nicht, wenn man nicht einmal im Ansatz erkennen kann, was das Abo am Ende eigentlich kosten soll: Es gibt zum Beispiel iPad- und Android-Pakete (beides nutze ich als Windows-User nicht) und natürlich das gute, alte Print-Abo auf totem Baum. Hurra!

Da sich all diese Angebote anscheinend in einem Preissegment ab 20€ / Monat bewegen, kommen sie für mich schlicht nicht in Frage.

Ich möchte auch kein iPad Mini (ernsthaft: Ich hasse diesen Apple-Quatsch) für 199€ Zuzahlung erwerben, sondern einfach – wie gehabt – News lesen, die mich interessieren. Mehr will ich ja gar nicht. Das darf dann gerne auch 2 oder 3 Euronen im Monat kosten, wenn dafür die Werbung verschwindet, aber irgendwie suche ich Preisangaben für “nur die News-Seite bitte und sonst mal nix” absolut vergebens. Möglicherweise sind diese Hinweise aber auch so gut versteckt, dass man sie besser gar nicht erst findet?!

Da läutet es auch irgendwie bei mir im Hinterkopf: Man munkelt nämlich, dass solche Abo-Angebote nicht ganz koscher sind, die keine Auskunft über den Preis geben, den man im Anschluss an eine kostenlose Testphase entrichten soll. Da war doch was… ach ja richtig: Das Abo der RP verlängert sich nicht automatisch. Dann habe ich also wieder die Wahl, ob Android oder iPhone – oder doch den toten Baum…

Die RP jedenfalls feiert ihr neues Zwangsmodell derweil auf Facebook als grandiose Idee und betont, dass man weiterhin 10 Artikel im Monat in voller Länge lesen darf und – wenn man sich kostenlos registriert – auch ganze 20. Das ist in etwa das Pensum, das ich an 2 bis 3 normalen Tagen zusammenbekomme, liebe RP-Online.

Ich bin ja durchaus überzeugt davon, dass sich ein Online-Angebot auch durch flattr oder andere Micropayment-Systeme vermarkten lässt. Die Zwangskeule halte ich jedenfalls für ein überholtes Mittel.

Auch Werbung wäre ein legitimer Weg.

Gerade RP-Online glänzt allerdings bei der Wahl der Werbemittel, die man der werten Leserschaft zumutet. Hier fällt es mir persönlich besonders schwer, den Ad-Blocker zu deaktivieren, weil das Angebot eben ohne jenes Helferlein besonders “gut” zu lesen ist. Gar nicht nämlich. Man hat ernsthaft Mühe, unter all den Filmchen und animierten Bannern noch irgendetwas zu erkennen und wenn man sich gerade “in Sicherheit” glaubte, weil gerade keine quietschbunten Banderolen mehr durch’s Bild flattern, wird man im nächsten Artikel abermals mit einer Orgie von Werbemitteln geflutet. Ernsthaft, liebe RP: So funktioniert dieses Internet nicht. Echt nicht.

Ich habe in der Vergangenheit schon öfter versucht, mit den Damen und Herren aus der Redaktion in Kontakt zu treten, wenn mich die gewählten Werbeformen vom Lesen abhielten: Leider ohne Erfolg. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass ein anderer Vermarkter und ein überarbeitetes Online-Angebot Wunder wirken würde, man aber lieber ganz tief ins Klo greifen möchte und die Website vermutlich schon in Kürze abschalten muss: Aus Kostengründen. Versteht sich.

Zu guter Letzt sei noch darauf hingewiesen, dass die Google-Anzeige (siehe Screenshot) zu allem Überfluss genau über dem Button platziert ist, der mich zum ominösen Testangebot führen sollte. Genial!

Nun denn: Ich muss also ab jetzt für die alltäglichen News rund um Düsseldorf und die restliche Welt auf die nach wie vor kostenlos lesbaren Artikel der namhaften Konkurrenz zurückgreifen: Danke, dass es Euch noch gibt!

Update vom 08.04.2015:

Tatsächlich hat sich der leitende Redakteur Digitales der RP in der Kommentarfunktion meines Blogs verewigt, was ich dort nicht untergehen lassen möchte und gerne hier an prominenterer Stelle veröffentliche, da unter anderem die Frage nach dem Preis nun final geklärt ist:

Abo aufzwingen klingt ja eher nach GEZ. Wir bieten an: 10 freie Artikel und nach kostenloser Registrierung 20 freie Artikel im Monat, dazu alle Bilderstrecken ebenfalls frei. Und wenn Du alles lesen möchtest, aber eben keine Werbung mehr sehen willst, dann kostet das Abo 4,99 Euro im Monat (erster Monat nur 0,99 Euro). Dafür gibts dann ein komplett werbefreies Portal, viele Möglichkeiten der Personalisierung (Themen folgen, Autoren folgen, Startseite konfigurieren etc.) und noch ein paar Serviceleistungen drumherum.

flattr und die anderen Micropaymentdienste taugen für die Finanzierung eines großen Newsportals leider nicht.

Alles zum Abo findest Du hier: http://bit.ly/1FBQpng Und, ja: Die Werbeanzeige über dem Info-Button im Screenshot ist ein bisschen blöd. Das korrigieren wir.

Viele Grüße
Oliver Havlat
Leitender Redakteur Digitales, Rheinische Post

Vielen Dank für den freundlichen und aufklärenden Kommentar.

8 Antworten auf „RP-Online bietet jetzt auch zwingt Euch jetzt ein Abo an auf“

  1. Manuel, ich bin voll bei Dir. Das haben die sich bei bild.de abgeguckt. Da kann man aber virle Artikel trotzdem lesen. Nut die bild+ nicht.

    Und die Preise auch. Erster Monat 0,99 Euro und dann 4,99 Euro.

  2. Stimmt, ich bin auch nicht sehr begeistert darüber. Wenn man darüber nachdenkt, das im Gegensatz zur gedruckten Variante dies einmal in der Datenbank bereitgestellt und “millionenfach” angesehen werden kann – keine Druckerei mehr / kein Vertrieb / kein Kundenservice für Falschlieferungen etc. Zweitens lese ich rp-online meistens oft die Startseite-Themen, was da alles so draufsteht, doch wenn ich andere Themen wie zum Beispiel regionale Themen lesen möchte, besuche ich dort so gut wie nichts. Aber ein Zeitung kann ich alle diverese Themen erreichen. Das ist schon ein sehr feiner Unterschied.

  3. RP-Online ist für mich seit Jahren sowieso schon die am schlechtesten programmierte Nachrichtenseite. Dauert ewig beim Aufbau, verspringt mehrmals, bevor das endgültige Bild erscheint und nervt mit Mega-Werbe-Bannern, die durchs Bild laufen etc….
    Wegen der Lokalnachrichten habe ich mich dennoch darauf eingelassen … – da reichen 20 Frei-Artikel im Monat beileibe nicht!
    Reichen die Einnahmen über die Werbebanner nicht mehr? Erhofft sich rp-Online Mehreinnahmen durch Abos?
    Ich weiss nicht, wer bei denen die Entscheidungen trifft, aber diese hier ist wirklich total daneben!

  4. Abo aufzwingen klingt ja eher nach GEZ. Wir bieten an: 10 freie Artikel und nach kostenloser Registrierung 20 freie Artikel im Monat, dazu alle Bilderstrecken ebenfalls frei. Und wenn Du alles lesen möchtest, aber eben keine Werbung mehr sehen willst, dann kostet das Abo 4,99 Euro im Monat (erster Monat nur 0,99 Euro). Dafür gibts dann ein komplett werbefreies Portal, viele Möglichkeiten der Personalisierung (Themen folgen, Autoren folgen, Startseite konfigurieren etc.) und noch ein paar Serviceleistungen drumherum.

    flattr und die anderen Micropaymentdienste taugen für die Finanzierung eines großen Newsportals leider nicht.

    Alles zum Abo findest Du hier: http://bit.ly/1FBQpng Und, ja: Die Werbeanzeige über dem Info-Button im Screenshot ist ein bisschen blöd. Das korrigieren wir.

    Viele Grüße
    Oliver Havlat
    Leitender Redakteur Digitales, Rheinische Post

  5. Ihr seid ja lustig. Werbefinanziert – ein paar Cent die es dafür gibt – das ganze multipliziert sich – sicherlich – aber arbeitet einer von Euch für Lau ? Mindestlohn und ähnliches schallt durch die Presse – was ist mit den Leuten die es machen ? Die wollen auch ihr Geld um am täglichen Leben teilhaben zu können. Die Fotografen die durch die Lande laufen und topaktuelle Bilder bringen – die Redakteure die Berichte hierzu schreiben – der Schützenverein der auf einen Besuch des Mitarbeiters Wert legt – was gibt es noch. Lesen will jeder ? Bezahlen keiner ? Geh ich in eine Metzgerei – nein – ich will die Scheibe Wurst nicht ganz – nur einmal abbeissen – gleiches wiederhole ich beim Bäcker mit einem Brötchen. Sorry Leute – auch wenn es nervt – aber Arbeit will bezahlt werden – und wie ich sehe ist der Wille zu lesen da – nur mit dem Bezahlen der Leistung ist man nicht einverstanden. Sorry – das ich Stellung für die andere Seite beziehe – aber ich persönlich lebe u.a. davon für die Presse tätig zu sein.

  6. Also ich finde das neue Abo-Modell (und ja,. es ist ein Abo-ZWANG) für den Popo, auf gut Deutsch gesagt …
    Wenn man schon sagt, dass die Werbung nicht ausreicht und bla-bla … bin ich ganz klar für eine klarere Struktur, so wie die der WAZ.
    Da gibt es “kostenlose” Artikel, die kann jeder bis zum erbrechen Lesen, und da gibt es die “WAZplus” Artikel, die sofort im Titel als solche zu erkennen sind. Und die kriegt man nur geöffnet, wenn man ein Abo abschließt.
    Ersteres Modell grenzt für mich schon an Clickbait, deshalb bin ich von RPo komplett weg und hin zu anderen Portalen, die mir zwar weniger Qualität bieten, dafür aber die sekbe Menge an Inhalt und nicht mit Abo-Popups nerven.

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