HomeMatic: Schalter für die Tonne?

Bild von 24 HomeMatic Unterputz-Schaltaktoren
Leichenschau: Die 24 toten HomeMatic Schaltaktoren.

Fast 4 Jahre ist es nun her, dass das gesamte Haus automatisiert wurde. Was richtig gut losging, zeichnet sich über die Zeit als – im wahrsten Sinne des Wortes – echter Dauerbrenner ab. Und das ist ein wahrlich teurer Spaß mit vielen hellen (oder auch dunklen) Momenten.

In Zeiten von Corona kann auch ich Liedchen von Sterblichkeitsraten singen. Allerdings sind meine “Leichen” aus Plastik, kosten etwa 49€ und verrecken wahrscheinlich nicht an einem Virus. Das glaube ich zumindest nicht…

tl;dr Angeblich smarte Lichtschalter (HM-LC-Sw1PBU-FM) mit extrem kurzer Lebensdauer: Ein Langzeit-Erfahrungsbericht. 

Zugegeben: Unsere Installation ist vermutlich etwas größer, als die meisten Hausautomationen, die man “in the wild” antreffen dürfte, doch stellt sie – rein technisch gesehen – keine wirkliche Herausforderung dar. Über eine leicht modifizierte FHEM-Installation, die auf einem Raspberry 4 wohnt, lässt sich in unserem Haushalt so ziemlich alles steuern. 34 HomeMatic-Lichtschalter, Dimmer und Doppelschalter werden gemeinsam mit 12 Heizkörperthermostaten und 9 Jalousie-Schaltaktoren des selben Herstellers über unzählige Fensterkontakte & Bewegungsmelder über einen Rechner gesteuert, der nicht viel größer als eine Kippenschachtel ist.

Dabei sind viele Sensoren von anderen Herstellern und sprechen ganz andere Protokolle und doch lässt sich alles – dank FHEM – interoperabel vernetzen: Das funktioniert hervorragend und macht richtig viel Freude.

Dann kommt dieser Moment: “Hä? Wieso brennt hier Licht?”

Erst glaubt man, dass man in aller Bräsigkeit einen Lichtschalter angelassen hat. Man drückt ihn, um die Funzel auszuschalten, die er erhellt: Fehlanzeige. Das Licht geht aus und – innerhalb von Millisekunden – sofort wieder an.

Von diesem Effekt schockiert, deaktiviert man zunächst den Bewegungs- und Helligkeitssensor und versucht es nochmal. Nein: Der Schalter hat einfach wenig Lust, sich ausschalten zu lassen.

Man ahnt es bereits, nimmt voller “freudiger Erwarung” die Blende des Lichtschalters ab und siehe da: Disco! Der kleine HomeMatic-Schalter hat offenbar ein Problem und leuchtet fröhlich mit seiner winzigen Config-LED. Normalerweise sollte er das nicht tun, also gibt es nun verschiedene Lösungsansätze:

  1. Schalter zurücksetzen
    Kann klappen… muss (und wird es in 90% der Fälle) aber nicht.
    Der Schalter startet nach dem Reset lustig durch und bleibt erst einmal aus, doch dann geht er an und blinkt erneut lustig an seiner Config-LED, nur um sich kurz darauf wieder auszuschalten und dann wieder anzuspringen, um wieder… hach… wer HomeMatic kennt, weiß vermutlich, wovon ich spreche?
  2. Schalter umpolen
    Die einzige Möglichkeit, das Licht die meiste Zeit abgeschaltet zu haben: Pole den Schalter um. Dann springt das Licht immer nur für den Bruchteil einer Sekunde an, um dann wieder auszugehen, wenn der Schalter wieder Config-Disco spielt… ist zwar kacke, verbraucht aber weniger Strom. Auf Dauer dürfte der Verbraucher (in den meisten Fällen eine Lampe) allerdings, der dann in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen jeweils für Millisekunden aufleuchtet, sterben. Auch nicht gut.
  3. Schalter ausbauen
    Der Spuk ist vorbei: Das Licht ist aus. Und es bleibt aus. Bis man einen neuen Schalter besorgt, verbaut und angelernt hat. Kostet etwa 49€, eventuell ein paar Euros Versand und natürlich die Rechnung des Elektrikers.

    Bild von offener Schalterdose
    Mittlerweile ein gewohntes Bild: Ein HomeMatic-Schalter fehlt

    Bis der neue Schalter eintrifft, hat man eine Oldschool-Schaltung, bei der es genügt, die richtigen Pole manuell miteinander zu verzwirbeln. Bitte nicht nachmachen! Vor allem nicht nachts…

Unser Ärger fand eigentlich im vergangenen Jahr schon seinen Höhepunkt, als wir in Summe etwas mehr als 10 tote Schalter zählten, woraufhin ich mich im Juli 2019 per E-Mail an den Hersteller, die eQ-3 AG, wandte.

Man antwortete mir recht flott und bat mich, sämtliche Rechnungen und Seriennummern der Schalter zusammenzusuchen, um ggf. eine Lösung auf Kulanz zu finden.

Baaah: Rechnungen suchen!

Ich fand nur kaum Welche…
Und so schob ich die Angelegenheit eine Weile vor mir her, bat dann aber schließlich mein Frauchen, mir alle Rechnungen zu schicken, die sie selbst für HomeMatic-Schalter finden konnte. Immerhin hatte sie vor unserem Einzug in die Behausung die meisten Schalter bestellt, die unser freundlicher Elektriker anstelle von herkömmlichen Schalterchen verbaute.

Mit der Zeit wurden wir fündig und fündiger, trieben ziemlich viele Rechnungen auf, und doch dachte sich der innere Schweinehund: Hach. Wird schon schiefgehen.

Nun ja: Es ging schief. Und zwar so richtig!

Am 18. April 2020 zählten wir bereits 24 tote Schalter. Wenn man das einmal aufsummieren möchte (nein – möchte man nicht), kommt man auf 1.176€, die wir innerhalb von 4 Jahren – quasi als Verbrauchsartikel – in Lichtschalter investiert haben. Also ca. 300€ / Jahr, die man berappen darf, nur weil man ein “smartes” Zuhause sein Eigen nennt.

Bei einem Lichtschalter komme ich aber nicht im Traum darauf, dass es sich eben um einen Verbrauchsartikel handeln könnte. Einerseits ist es der Elektroschrott, den man in regelmäßigen Abständen entsorgen darf (die Umwelt dankt) und andererseits ist es mir – ich bin mittlerweile ü40 und habe schon viel gewohnt – nicht ein einziges Mal vorgekommen, dass ich einen beschissenen (pardon) Lichtschalter tauschen musste!

Und der Hersteller so: “Ich war’s nicht!”

Auch die eQ-3 AG hat sich wieder gemeldet: Dort bittet man nun um die Dokumentation unserer elektrischen Anlage, Prüfberichte des Elektrikers und scheint die einst in Aussicht gestellte, kulante Lösung nun nicht mehr wirklich zu verfolgen.

Genauer schrieb man:

“[…] um das Verhalten Ihrer Anlage genauer zu bewerten schlagen wir einen Besuch unseres Außendienstmitarbeiters vor.

Gerne setzt sich dieser hierzu mit dem Elektrounternehmen in Verbindung welches Ihre Installation nach DIN VDE 0701-0702 abgenommen hat[…]”

Frecher als erwartet: Ich bin schockiert!

Natürlich habe ich recherchiert und weiß ziemlich genau, dass man die Problematik im Hause eQ-3 kennen sollte, denn im FHEM-Wiki finde ich hierzu folgenden Hinweis: 

“Wenn der Schalter zwischendurch immer wieder neu startet, bei lokaler Bedienung sofort wieder ausschaltet und aus FHEM kaum oder nicht ansprechbar und auch auf verknüpfte Sender nicht reagiert, kann ein Kondensator defekt sein, hier C26.”

Ein Video des Verhaltens eines defekten Schalters lieferte ich dem Hersteller-Support  übrigens auch mit. Hier kann man beispielhaft sehen, wieviel Freude man mit einem nicht funktionalen Schalter hat.

Pro-Tipp: Dieser Effekt wirkt mitten in der Nacht am besten,  wenn man so gar nicht damit rechnet und plötzlich eine Lampe ausrastet!

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Wenn den Herrschaften das nicht bekannt vorkommt, fresse ich Bäume.

Den Tipp aus dem FHEM-Wiki habe ich dankend zur Kenntnis genommen, löte aber nur sehr ungern in Hauselektronik-Bauteilen herum, weshalb ich da schön die Finger von lassen werde. Allerdings scheint es genau dieses Kondensator-Problem zu sein, denn HomeMatic liefert mit den neuen Schaltern (erkennbar an einer Seriennummer, die mit Q beginnt) ein überarbeitetes Modell aus. Zum Einen sind die Kondensatoren “stärker” und zum Anderen hat man den sogenannten Varistor getauscht.

Hier ein defekter Schalter aus der alten HomeMatic-Reihe:

Foto von einem alten HomeMatic-Schalter
Ein “alter” HomeMatic-Schalter. Vorne links im Bild finden sich schwarze Kondensatoren (10μF 25V)

Hier ein (noch) funktionaler Schalter aus der neuen HomeMatic-Reihe:

Foto von einem HomeMatic-Schalter neuerer Baureihe
Ein “neuer” HomeMatic-Schalter. Vorne links im Bild finden sich nun grüne Kondensatoren (10μF 35V)

Da man in der Antwort auf meine E-Mail Bezug auf die DIN VDE 0701-0702 genommen und somit Zweifel an der Tauglichkeit unseres Elektrikers geäussert hat, bat ich postwendend um Einsichtnahme in die Prüfprotokolle zur CE-Konformitätserklärung, da ich doch erhebliche Zweifel daran habe, dass Lichstschalter, die sich nach einem Stromausfall selbst vernichten, ordnungsgemäß mit Spannungsschwankungen zurechtkommen.

Meiner Bitte kam man leider nicht nach und erwartet ganz offenbar die Übermittlung der Dokumentation. Da ich diese Reaktion der eQ-3 durchaus unter dem Kapitel “Zeitverschwendung” abheften kann, werde ich nun meinerseits aktiv, lasse die defekten Teile begutachten und tausche auch einige – noch funktionale – Schalter aus, deren Seriennummer mit M oder N beginnt, damit auch diese einmal geprüft werden können.

Fazit

Solltest Du gerade auf der Suche nach brauchbaren Komponenten für Dein SmartHome sein: Ich bin mir nicht sicher, ob Du an HomeMatic-Komponenten die Freude haben wirst, die man von Schaltern erwarten können sollte.

Ich erwarte zumindest, dass solche Dinge ein paar Jahre halten und nicht bei der erstbesten Gelegenheit ihren Dienst quittieren. Aus welchen Gründen auch immer!

Es mag sein, dass man bei HomeMatic mittlerweile nachgebessert hat, aber ernsthaft: Wenn das Unternehmen so mit den eigenen Kunden umgeht, bekommt es von mir keinen müden Cent mehr. Auch dort sollte man wissen, dass eine Heimautomatisierung im Grunde niemals wirklich fertig wird.

Sollte sich in dieser Angelegenheit etwas tun, werde ich weiter berichten.

4 Antworten auf „HomeMatic: Schalter für die Tonne?“

  1. Hallo Manuel,

    ich kenne dein Problem und hatte auch einige “tote” Schalter/Aktoren. Ich habe inzwischen bei allen 7 alten Aktoren den fehlerhaften Kondensator ausgetauscht und durch einen leistungsfähigeren ersetzt.

    Seit 3 Jahren ist bei mir kein Homematic-Gerät ausgefallen. An deiner Stelle würde ich aber trotzdem Stress machen. Es geht nicht, dass sich Eq-3 da dumm stellt.

    Viele Grüße und Erfolg
    Simon

    1. Danke für Deinen seelischen Beistand 😉
      Ich bastel – wie gesagt – nicht gerne an solchen Bauteilen rum, sondern sorge dann “einfach für Ersatz”.
      Das ist allerdings ein teures Unterfangen und so ganz kampflos gebe ich sicher nicht auf.
      Ich werde berichten, sobald es Neuigkeiten von der Front gibt.

  2. Hallo,

    bin seit gestern auch ein Opfer, hier mit einem HM-LC-Dim1TPBU-FM aus der gefürchten MEQ*-Generation mit schwarzen Elkos. Die anderen vier Exemplare funktionieren noch – man wird sehen… Hauptverdächtiger bei den Dimmern ist lt. HM-Foren wohl “C7”. – Ich werde versuchen, den Elko selbst zu tauschen.

    Weshalb ich Dir schreibe: 24 Leichen sind ja extrem. Ich würde da gegenüber eq3, wenn sie weiter inkooperativ sind, mal dezent mit einer etwas größeren “Image-Kampagne” Deinerseits im Netz “drohen” – immerhin vertreiben die mit der IP-Serie ja weiterhin bauähnliche Produkte, und zudem noch als OEM für Netzbetreiber, wenn ich das richtig gesehen habe, und selbst wenn die neuen Serien verbessert wurden, ist es doch für potenzielle Neukunden sicher sehr interessant zu erfahren, wie der Hersteller mit Altkunden umgeht, die offenbar Opfer eines Serienfehlers / mangelhafter Bauteilequalität geworden sind.

    Wenn das alles nichts hilft und Du auch keine Rechtsschutzversicherung mit geringer oder ohne Selbstbeteiligung hast oder derlei Weiterungen scheust, aber eben auch nicht selbst Hand anlegen willst:

    Es gibt offenbar Elektroniker, die einen Reparaturservice für HM-Geräte mit diesen Problemen anbieten. Mir ist bei meiner Recherche zu meinem Dimmerproblem gleich ein Elektroniker aufgepoppt, der das anbietet, ganz sauber gegen Rechnung incl. MWSt. – In seinem Beispielfall hat er bei einem HM-LC-Dim1TPBU-FM drei Elkos ausgetauscht und dafür 10 Euro plus Rückversand genommen. Ob er in jedem Fall alle drei potenziell kritischen Elkos tauscht oder immer nur den/die jeweils tatsächlich defekten, ging aus dem Post nicht hervor. Sinnvoll wäre vermutlich der Tausch aller kritischen Teile, damit das Spiel nicht bald wieder von vorne losgeht, nachdem wieder alles installiert ist…

    Bei einem 24-Stück-Auftrag würde ich mal von einem anständigen Rabatt ausgehen. Vielleicht wäre das eine Option für Dich. Man wirft dann zwar noch “Geld hinterher”, aber in Relation zum Anschaffungspreis eben nicht besonders viel und man kann die Teile gleich wieder wie gehabt integrieren (obwohl Du sie vermutlich alle schon abgelernt hast?!) und fängt nicht erst ein Gefrickel mit anderen Systemen mit eingeschränkter Kompatibilität an – obwohl ich gerade sehe, dass Du ja wohl FHEM systemübergreifend benutzt, das ist dann ja was anderes. Aber 24 Leichen sind ja trotzdem nicht schön.

    Nun ist Elkotausch (trotz der Nähe zu den SMD-Bauteilen, zumindest beim Dimmer) vielleicht nicht die extreme Kunst und auch vom mutigen Stammtischbruder mit Feinspitzen-Lötkolben gemacht, wenn Du das nicht willst, obwohl Du es könntest, aber wenn das ein gewerblicher Anbieter anbietet, mit sauberer Rechnung, klingt das m. E. nicht schlecht. – Zumal man ja sogar noch versuchen könnte, diese Rechnung dann eq3 zur Erstattung “anzubieten”, bevor Du sie im rezo-Stil dann öffentlich “vernichtest”… 😉

    Disclaimer: Ich habe den Anbieter, wie gesagt, vorhin erst gefunden, nachdem mein Dimmer kaputt gegangen ist und ich mich überhaupt erstmal orientieren wollte, was das sein kann und welche Lösungen es gibt – vermutlich gibt es noch andere, die das anbieten. Auch bezieht er sich in seinem Post konkret nur auf das Dimmer-Modell und nicht auf den Schalter, aber lt. HM-Foren soll das Problem dort ja dasselbe sein und außerdem ist er wohl Elektroniker mit Hang zur Rettung defekter Geräte, was ja sympathisch ist. Ich will keine Werbung machen und schicke Dir den Link zu seinem Angebot parallel per Mail.

    Ich selbst gehe nachher zur Conrad-Apotheke, hole mir einen “C7”-Ersatz für 31 cent (oder gleich fünf, weil die Uhr für die anderen Dimmer jetzt ja vermutlich auch tickt…) und probiere mich daran mal aus… “Kinder betet, Vater lötet…” Immerhin liegt der C7 offenbar im Niedrigspannungs-Teil der Schaltung, das geht dann wohl noch…

    Ich wünsche viel Erfolg, am besten natürlich direkt mit eq3, sage “sorry” für diesen langen Text und grüße aus Hamburg

    Klaus

    1. Hallo Klaus und vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich muss zugeben, dass ich öfter mal in die Kommentar-Spalte meines Blogs schauen sollte: Ich habe gar nicht mitbekommen, dass ich mittlerweile so etwas wie eine “Reichweite” habe und die Kommentare daher bislang vielleicht einmal im Monat geprüft habe. Mein letzter Besuch im Adminbereich lag jetzt sogar schon ein paar Monate zurück. Pardon!

      Vielleicht werde ich meine 24 Leichen (mittlerweile sind es derer 27) wirklich mal zum Umlöten einschicken, da ich persönlich nicht so der Held am Kolben bin. Vielen Dank auch für Deine Mail!
      Wenn ich zwei Leitungen zusammengelötet und mit Schrumpfschlauch abdgedichtet bekomme, habe ich mein Leistungsmaximum bereits erreicht 😀
      Und so ein paar Ersatzschalter würden mir ganz gut gefallen, da 50€ für ein Stück Elektroschrott (spätestens nach 3 Jahren) einfach zu teuer sind. Die Umlernerei nervt natürlich ebenfalls. Mehr jedoch nervt es, wenn nachts das Schlafzimmerlicht angeht. Dann ist schlechter Schlaf vorprogrammiert.

      Wenn man allerdings morgens in die 230V-Leitung greift, weil man den nächtlichen Schalterausbau schon wieder vergessen hat, ist man schneller wach als mit jedem Wecker…

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