Die Magie des 3D-Drucks

Anycubic i3 Mega S
Ein 3D-Drucker der “Einsteigerklasse” – der Anycubic i3 Mega S

Stell Dir vor, ein winziges Kleinteil in Deiner Spülmaschine geht kaputt und um es zu ersetzen, musst Du den kompletten Baustein der Maschine neu kaufen. Was für eine Verschwendung, oder?

Genau so denke ich häufiger, wenn etwas Winziges kaputtgeht: Warum muss ich nun das gesamte Teil neu kaufen?

Mit einem 3D-Drucker sind diese Gedanken Geschichte, wenn man etwas Geduld mitbringt und sich darauf einlässt, sich mit neuer Software auseinanderzusetzen.

tl;dr Vom Consumer zum Maker: Ersatzteile und “was man halt so braucht” einfach selber drucken.

“Damals”, als die Luft noch aus Holz war, war 3D-Druck vor allem schweineteuer und die Ergebnisse der eher unerschwinglichen Geräte alles andere als ansehnlich.

Heute sieht die Lage – zum Glück – gänzlich anders aus. Für knapp 250€ erhält man bereits brauchbare Hardware und professionelle Software gibt es für lau!

Zugegeben: Mein erstes “echtes” Projekt hat mich an den Rand der Verzweiflung gebracht, da es absolut nicht einfach ist, ein Ersatzteil in einer völlig unbekannten Software möglichst originalgetreu nachzubilden. Am Ende habe ich es dann aber doch geschafft und bin überzeugt davon, dass sich das Ergebnis durchaus sehen lassen kann.

Unser Geschirrspüler, ein AEG Favorit, funktioniert prinzipiell tadellos. Er hatte nur ein winziges Problem: Hat man den Klarspüler nachfüllen wollen und dafür die entsprechende Klappe geöffnet, schoss einem der Verschluss um die Ohren. Anschließend hat man 2-10 Minuten damit verbracht, den Verschluss und eine kleine Feder zu suchen, um die Dinge wieder halbwegs vernünftig einzubauen.

Der Grund: Recht simpel. Ein winziger Pinöckel war abgebrochen!

AEG Favorit: Klarspülerverschluss. Pinöckel abgebrochen.
Unten links fehlt der Pinöckel.

Eine Suche nach Ersatzteilen liefert gleich die komplette Plastikwanne, nebst Spül-Tab-Fach und allem, was dazugehört. Kostenpunkt: Etwa 90€.

Abgesehen von dem enormen Preis finde ich es irgendwie strange, gleich die komplette Plastik-Installation zu tauschen, nur weil ein etwa 1mm x 1mm großes Teil abgebrochen ist.

Da ich mich schon länger für 3D-Druck interessierte und ich den Zeitpunkt gekommen sah, orderte ich mir auch gleich in einem Internet-Auktionshaus einen brauchbaren Drucker (Anycubic i3 Mega S) und ein wenig Filament.  Filament ist quasi die Ursuppe des 3D-Drucks: Man erhält eine Rolle Plastik, die man schmilzt und dann Schicht für Schicht zu neuem Plastik werden lässt.

Gleich nachdem der Drucker eintraf, versuchte ich mich daran, das Ersatzteil zu modellieren. Ich brauchte durchaus ein paar Anläufe und auch präzises Mess-Werkzeug, um ein brauchbares Resultat zu erzielen, aber hey – unterm Strich war das immer noch günstiger, als – wie vermutlich vom Hersteller vorgesehen – das komplette Drumherum zu ersetzen.

Das Ersatzteil!
Das Ersatzteil. Nicht genau so schön, wie das Original, aber dafür furchtbar funktional…

Zwei bis drei Stunden später hatte ich in Fusion 360 (das gibt es für die private Nutzung völlig kostenlos) das benötigte Ersatzteil erzeugt und anschließend mit einer sogenannten Slicer-Software (Ultimaker Cura) für den Drucker verarbeitet. Slicer heißt so, weil 3D-Modelle damit Schicht für Schicht umgerechnet werden – so, dass ein 3D-Drucker die zuvor erwähnte Ursuppe in Form bringen und letztendlich drucken kann.

Das Ergebnis funktioniert übrigens hervorragend und macht nun genau das, was ich erwartet habe: Beim Nachfüllen von Klarspüler fliegt der Verschluss nicht sinnlos durch die Gegend und während des Spülens bleibt die Klarspüler-Klappe geschlossen: Hurra!

3D drucken ist – wie ich finde – eine ganz fantastische Sache. Wenn man es sich zutraut, selbst Ersatzteile herzustellen, kann es helfen, enorme Kosten für Ersatzteile auf ein Minimum zu reduzieren. Aber auch sonst gibt es Plattformen in diesem Internetz, auf denen man Dinge findet, die man eventuell brauchen könnte: Dann lädt man sie herunter und druckt sie eben einfach.

Das Ersatzteil für den AEG Favorit Geschirrspüler habe ich auf thingiverse.com hochgeladen, damit Andere, die das selbe Problem haben, sich das Ersatzteil einfach nachdrucken können. Und genau so machen es wieder Andere auch…

Und das ist einfach genial!

Solltest Du selbst gerade auf der Suche nach einem brauchbaren 3D-Drucker für den Einstieg sein, so sei Dir der Anycubic i3 Mega S gerne empfohlen. Du bekommst für schmales Geld einen wirklich brauchbaren Drucker, den Du nach Herzenslust verändern und anpassen kannst. Gleichzeitig aber liefert er “out-of-the-box” ein durchweg grandioses Druckergebnis.

Ich bin jedenfalls furchtbar “angefixt” und tauche erst einmal weiter ein in diese für mich noch neue Welt des 3D-Drucks.

Last, but not least: Hier findest Du die angesprochene, kostenlose Software (mit der ich arbeite) für den Einstieg:

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